Besuch bei Biber, Eisvogel und Co.

Bei Sonnenschein und milden Temperaturen machten sich 30 naturinteressierte Menschen am letzten Oktobertag auf den Weg durch die Auenlandschaft von Selters. Der NABU Ortenberg hatte dazu eingeladen, Biber, Eisvogel und Co. einen Besuch abzustatten. Der 2. Vorsitzende Dietmar Wäß freute sich über den regen Zuspruch und begrüßte die gestandenen Naturexperten Karl-Herrmann Heinz aus Stockheim, Manfred Reitz aus Usenborn und Bernd Simon aus Büdingen, die auch zur Wanderung gekommen waren.

Der 2 ½ stündige Weg führte zunächst über das Gelände des Info- und Mitmachzentrums an der NABU-Ziegenherde vorbei zum sehenswerten Benediktusbrunnen im ehemaligen Kurpark von Selters. Hier hatte jeder einmal Gelegenheit, einen Schluck des Heilwassers, ein mineralsalzhaltiges Wasser einer dort gefassten artesischen Quelle, zu probieren. Dietmar Wäß erklärte das Prinzip einer artesischen Quelle und geschichtliche Hintergründe des Kurparkes und des früheren Kurortes Selters. Schon Justus Liebig hatte damals das Wasser geprüft und als wertvolles Heilwasser bewertet. Bad Salzhausen wurde seinerzeit aber bevorzugt behandelt und so gab es „Bad Selters“ als Kurstätte nur für kurze Zeit.

Weiter ging es zur Neumühle, wo derzeit deutliche Spuren der dort lebenden Biberfamilie zu finden sind. Der verbliebene Baumstumpf einer frisch abgenagten Weide sowie eine beindruckende „Biberrutsche“ am Nidderufer waren dort zu bestaunen. Die Anwohner der ehemaligen Mühle berichten von 2 Alt- und 2 Jungbibern, die sich dort immer wieder zeigen und auch gerne in die angrenzende Streuobstwiese wandern, um dort leckere Äpfel zu verspeisen. „Die abgenagte Weide“, so Karl-Herrmann Heinz, „wird im nächsten Jahr sicherlich wieder austreiben“. Aber so kommt es bei den Aktivitäten der streng geschützten Biber auch gelegentlich zu Konflikten mit den Menschen, wenn sie z.B. auch Dämme bauen und Felder und Wiesen vernässen. „Der Nutzen der fleißigen Flussrenaturierer ist aber in aller Regel hoch, der Biber ist Wegbereiter für viele andere Tierarten, die dann dort wieder Lebensräume finden“, sagt Heinz.

Weiter flussabwärts fand die Gruppe weitere Fraßspuren des größten Nagetiers Europas an einer großen Pappel. An einem dicken Ast hatten die Biber regelrecht eine Skulptur aus dem Holz genagt, sehr beindruckend.

Der Stockheimer Naturexperte wies auch auf die große Bedeutung der am Wegesrand zu findenden Altgras- und Gestrüppstreifen hin. Hier finden Vögel wie der Stieglitz oder auch der Grünfink im Herbst und Winter ihre Nahrung. „Auch als Rückzugsort für Kleinsäuger wie Igel oder Mauswiesel sind diese Habitate enorm wichtig. Ebenso für Spinnen, Käfer und viele weitere Insektenarten“, ermahnte Karl-Herrmann Heinz die Wandergruppe. „Leider werden solche Lebensräume allzu oft weg gemulcht, da der Mensch einen übertriebenen Ordnungssinn entwickelt hat. Das ist sehr schlecht für die Natur und Artenvielfalt und sollte unterlassen werden“, so Heinz. „Auch die kommunalen Bauhöfe müssen hier noch besser sensibilisiert werden“.

Der Klosterbrunnen im 32 Hektar großen Naturschutzgebiet „Salzwiesen und Weinberg von Selters“ bot den Besuchern ein eher trauriges Bild. Wo sich früher jedes Jahr Millionen Liter mineralsalzhaltiges Wasser in die Auwiesen ergossen, ist der Wasserfluss seit Jahren nahezu versiegt. Die dort seit Jahrhunderten bekannte seltene Salzpflanzen-Flora, das sind Pflanzengesellschaften, die man sonst nur in Küstenregionen findet, ist deutlich zurückgegangen und vom Niedergang bedroht. „Der salztolerante Erdbeerklee z.B. und der Salzdreizack ist kaum noch zu finden, das ist ein Alarmsignal“, sagt Wäß. Es müsse bald etwas passieren, um diese besonderen Pflanzen hier nicht zu verlieren. Der Ortenberger NABU vermutet, dass das Steigrohr des Brunnens durch eisenhaltige Ablagerungen verstopft ist. „Es müsste eine Reinigung des 2m tiefen Brunnenkopfes sowie des Rohres erfolgen, um dem Wasser wieder freien Lauf zu ermöglichen“, so die Meinung des ​Naturschützers. Aber weder die Eigentümerin des Geländes, die Stadt Ortenberg, noch HessenForst, der das Gebiet betreut, wären bisher hilfreich gewesen. „Das Problem ist bekannt, aber es wird nichts getan!“

Die Wandergruppe passierte noch gut gelaunt das ehemalige Kloster Konradsdorf, wo derzeit Renovierungsarbeiten an der dreischiffigen Klosterkirche aus dem 12. Jh. laufen. An der Nidder war dann noch eine seltene Gebirgsstelze zu sehen, diese Art überwintert laut Manfred Reitz hier in Deutschland. Von hier ging es am Fluss zurück zum NABU „Haus an den Salzwiesen“. Birgitt Wäß wartete hier mit deftiger Kürbis- und Wurstsuppe sowie mehreren selbstgemachten Likören auf die hungrigen Naturfreunde. Die Suppe ging weg wie „warme Semmeln“ und beim Genuss der selbstgemachten Liköre war die Stimmung bestens und ein würdiger Abschluss des interessanten Vormittages.