Erstmals hat der Nabu Ortenberg einen Sensenkurs für Anfänger und Fortgeschrittene angeboten. Der Kurs war mit 10 Teilnehmern ausgebucht. Die beiden Frauen und acht Männer des Kurses trafen sich am Freitagnachmittag am Nabu-Haus an den Salzwiesen in Selters mit Dr. Ulrich Hampel, einem ausgebildeten Sensenlehrer aus Oberbayern.

Der Teilnehmer mit der weitesten Anreise kam aus der Landeshauptstadt Wiesbaden.
Nach einer Vorstellungsrunde kam nach einer kurzen theoretischen Einführung der erste praktische Teil des Kurses: das Dengeln, wie das Kaltschmieden des Sensenblattes genannt wird. Wegen der unsicheren Witterung wurde das Dengeln kurzfristig in eine Scheune der Domäne Konradsdorf verlegt, die uns der Pächter Helmut Keller spontan zur Verfügung stellte. Vor der Kulisse der Klosterruine inmitten des Gutshofes bearbeiteten alle ihr Sensenblatt, mit dem sie am nächsten Morgen mähen wollten. Die Sensenblätter wurden aus dem Wurf oder Sensenbaum, wie der Stiel mit den beiden Griffen genannt wird, abgeschraubt und mit einem speziellen Hammer auf einem kleinen Ambos gedengelt.

Bei diesem Vorgang wird die Schneide der Sense ausgedünnt. Hampel erklärte dabei auch den Begriff der Nagelprobe, einer Redewendung, die daher kommt, dass damit das Dengelergebnis geprüft wird.  Zusammen mit dem anschießenden Wetzen der Schneide mit dem Wetzstein entsteht ein rasiermesserscharfes Sensenblatt. Beim Bearbeiten mit dem Wetzstein lassen sich auch Scharten an der Schneide auswetzen.

Der zweite Teil des Abends wurde im Vereinsheim an den Salzwiesen fortgesetzt. Bilder und Fotos zeigten die Geschichte und Entwicklung von der Sichel bis zur Sense, die bereits vor 5000 Jahren im Orient in Gebrauch waren. Deutlich wurde dabei auch, dass bereits in dieser frühen Zeit die Kunst, ein Sichel- und Sensenblatt aus einem Stahlrohling zu schmieden, von den Schmieden beherrscht wurde. An der Konstruktion des Sensenblattes hat sich seit dieser frühen Zeit nur wenig verändert. Heute werden vor allem in Österreich in einigen wenigen noch bestehenden Sensenschmieden die Schneiden für die Sensen in zahlreichen Arbeitsprozessen mit hoher schmiedetechnischer Kunstfertigkeit von Hand nach und nach aus einem Metallstück geschmiedet. Ein Film zeigte am Schluss, dass das Mähen einer Wiese mit der Sense durchaus auch einen meditativen Aspekt haben kann.
Das Mähen mit der Sense ist im Naturschutz eine gute Alternative zum Einsatz von Motor- und Elektrogeräten. Insbesondere schwierige Flächen wie Hänge lassen sich gut von Grasbewuchs und Verbuschung freihalten. Es entstehen beim traditionellen Sensen keine Abgase, kein Lärm und kein Abfall, wie es bei den Freischneidern der Fall ist, bei denen der Plastikfaden als Abfall im Gelände liegen bleibt. Für die Tierwelt ist der Einsatz von Sensen wesentlich schonender, da insbesondere Tiere, die sich nicht schnell genug von der Mähfläche entfernen können, von den Mähblättern und -fäden der Maschinen zerfetzt werden.

Der Samstagmorgen begann nüchtern um 7 Uhr in Eckartsborn, wo eine Grasfläche zum Mähen in der Gruppe zur Verfügung stand. Nach einer Einführung und Demonstration durch Dr. Ulrich Hampel wurden dort dann die Sensen auf die richtige Körpergröße der Schnitter und Schnitterinnen eingestellt und die ersten Schnitte mit der Sense ausgeführt. Auch der Anstellwinkel des Sensenblattes zum Sensenstiel spielt eine wesentliche Rolle für das spätere Mähergebnis.

Beim Mähen mit der Sense in einer Gruppe muss jeder wegen der Verletzungsgefahr darauf achten, niemandem zu dicht auf den Fersen zu sein. Ziel war zunächst das Mähen auf einer Fläche ohne Hindernisse. Jeder konnte seine eigene Sense, frisch gedengelt, gewetzt und auf die individuelle Körpergröße eingestellt, ausprobieren. Es bestand aber auch die Gelegenheit, probeweise mit anderen Sensen zu mähen: mit kurzen und langen Sensenblättern, Sensenblätter zum Entbuschen oder einer Linkshändersense. Der Sensenlehrer beobachtete alle aus dem Kurs beim Mähen, gab Hilfestellungen und zeigte die richtige Führung der Sensen beim Mähen. Ziel war, dass beim Mähen alle den richtigen Bogen raus hatten oder raus bekamen. Ideal ist ein Halbkreis mit einem Winkel von 180 Grad.

Erst nach getaner Arbeit gab es gegen 10 Uhr ein reichhaltiges Schnitterfrühstück. Bei bester Stimmung wurden die gemachten Erfahrungen ausgetauscht. Frisch gestärkt bestand der nächste Teil im Ausmähen von Hindernissen wie Bäumen und Büschen sowie in schwierigem Gelände am Hang im  Garten von Maria und Bernd Vielsmeier in Eckartsborn, die den Kurs auch organisiert hatten. Dies erforderte schon etwas mähtechnisches Können im Umgang mit der Sense und ein gut koordiniertes Arbeiten in der Gruppe. Die Gemeinschaftsarbeit konnte sich am Schluss der Arbeit durchaus sehen lassen. Klar war, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, und es für die Zukunft heißt: üben, üben, üben. Den Schluss bildete eine Fragerunde rund ums Sensen und ein Meinungsaustausch.

Über einen Punkt waren sich alle einig: es war eine sehr schöne Erfahrung in einer Gruppe eine Wiesenfläche mit der Sense zu mähen. Es wurde auch der Wunsch geäußert, sich von Zeit zu Zeit zu einem gemeinschaftlichen Mähen zu treffen. Ziel für alle sollte es sein, den richtigen Bogen mit der Sense rauszuhaben, beim Mähen in einer Gruppe seinen Vorderleuten nicht zu dicht auf den Fersen zu sein, das Sensenblatt durch Dengeln und Schärfen in einem guten mähfähigen Zustand zu halten und bestehende Scharten auszuwetzen. Danach war sense – zumindest für den ersten Sensenkurs des Ortenberger Nabu.

PS. Die erste Anmeldung für den bis jetzt vom Nabu noch nicht geplanten nächsten Sensenkurs liegt bereits vor.