Rund 100 Ortenberger erscheinen zum Vortrag über Uhus

Rund 100 Ortenberger erscheinen zum Vortrag über Uhus

Rund 100 Ortenberger erscheinen zum Vortrag über Uhus

Bild: Kreisanzeiger Wetterau

ORTENBERG (mb – Kreisanzeiger Wetterau). Auf etwa 50 Zuhörer hatte der NABU Ortenberg sich für den Vortrag „Der Uhu – Adler der Nacht“ eingerichtet. Das Interesse von Naturfreunden an der ersten Veranstaltung im neuen Domizil „Haus an den Salzwiesen“ in Selters war jedoch deutlich größer: über 90 Besucher fanden sich schließlich ein, um den Ausführungen des örtlichen NABU-Vorsitzenden Dr. Sven Weidemeyer zu lauschen.

Sie sollten ihr Kommen nicht bereuen, denn Weidemeyer gelang es, in gut eineinhalb Stunden alles Wissenswerte über die größte Eule der Welt zu erzählen und dieses Wissen  so lebendig und mitreißend zu vermitteln, dass es ein Vergnügen war, ihm zuzuhören. Illustriert wurde sein Vortrag durch eine Vielzahl beeindruckender Fotos, die Bernd Beck im Laufe von fast 20 Jahren im inzwischen stillgelegten Steinbruch zwischen Ortenberg und Eckartsborn aufgenommen hat. Denn dort war Weidemeyer 1996 erstmals auf ein Uhu-Brutpaar aufmerksam geworden und hat die Entwicklung der Vögel seit damals mit seinen Vereinskollegen regelmäßig beobachtet. Seinerzeit galten die stattlichen Tiere in Hessen noch als überaus selten. Zwischen 1910 und 1977 war der Uhu bedingt durch Bejagung und Aushorstung zur Verwendung in der Hüttenjagd hier völlig verschwunden. Inzwischen gibt es im gesamten Bundesland wieder geschätzte 200 Brutpaare, von denen 12 im Wetteraukreis leben.

Sie siedeln bevorzugt in den hohen Felswänden von Steinbrüchen, wobei es ihnen gleichgültig ist, ob diese noch in Betrieb sind oder nicht. Vom Lärm lassen sie sich nicht stören; wichtig ist nur, dass in dem unmittelbaren Brutbereich kein Abbau erfolgt. Darüber hinaus brauchen sie viel offene Landschaft mit Baum- und Strauchbeständen. Was ihnen zu schaffen macht, sind landwirtschaftlich optimierte Flächen, auf denen es keine Hecken oder andere Rückzugsmöglichkeiten für Tiere mehr gibt, denn wo er keine Beute findet, kann auch der Uhu nicht leben. Dabei ist er kein Kostverächter, verzehrt alles, was er schlagen kann. Das kann sogar ein Fuchs sein, wie aus Gewöllen und Beuteresten ersichtlich wurde, die im Ortenberger Steinbruch gefunden wurden. Auch Bussarde, Turmfalken, Igel und Krähen standen neben unzähligen Mäusen bereits auf dem Speiseplan der Ortenberger Uhus.

Zu Beginn seines Vortrages war Weidemeyer auf die anatomischen Besonderheiten der Vögel eingegangen. Dazu gehört beispielsweise, dass die vierte Zehe eine Wendezehe ist, die der Uhu nach Belieben drehen kann, um auf Ästen oder Steinen optimalen Halt zu finden. Seine großen Pupillen sind für das Sehvermögen des nachtaktiven Räubers besonders wichtig, und seine Augen kann er in geöffnetem Zustand durch eine sogenannte Nickhaut schützen, die zwar seine Sicht ein wenig verschleiert, ihn aber vor Verletzungen schützt, wenn er beispielsweise Geäst anfliegt. Auch wenn seine Augen kaum beweglich sind, hat der doch ein riesiges Blickfeld, denn sein Kopf ist um 270 Grad drehbar. Weil seine Gehörgänge stark asymmetrisch angelegt sind, kann er Geräuschquellen optimal orten. Dies hilft ihm auch dabei, bei seinen Pirschflügen in der Dämmerung seine Beute zu lokalisieren. Und wenn er bei der Jagd erfolgreich war, kann er sich in der extremen Nahdistanz, in der er nur unscharf sieht, durch Berührung mit seinen Schnabelborsten orientieren.

Bereits seit 60 Millionen Jahren gibt es Eulen und seit 40 Millionen Jahren Uhus. Weltweit sind mehr als 20 verschiedene Uhu-Arten bekannt, die sich teilweise stark unterscheiden. Der hier ansässige europäische Uhu ist nochmals in 13 Unterarten aufgeteilt. Er ist die größte Eulenart der Welt. Die Weibchen, größer als die Männchen, werden bis zu 75 Zentimeter groß und bis viereinhalb Kilo schwer. Die Spannweite kann bis knapp 1,90 Meter reichen.

Mit der Brut beginnen Uhus etwa Anfang März. Dazu bauen sie keine Nester, sondern legen zeitlich versetzt ihre zumeist zwei oder drei Eier auf den blanken Fels. Nach fünf Wochen schlüpfen die Jungen, nach acht oder neun Wochen sind sie flügge. Leider überleben längst nicht alle Uhus ihre Kinderstube, und auch für erwachsene Tiere ist die Welt voller Gefahren, auch wenn sie keine direkten Fressfeinde haben. Wie viele Großvögel fallen Uhus häufig dem Stromtod durch Hochspannungsleitungen zum Opfer, werden im niedrigen Pirschflug in der Dunkelheit von Autos oder Zügen erfasst.

Auch, wenn sie ihre Brut aufgeben, tragen meist Menschen die Schuld. Beispielsweise, wenn sie bei Freizeitaktivitäten wie Klettern keine Rücksicht auf die brütenden Vögel nehmen, oder wenn ihre Brutplätze durch wirtschaftliche Interessen vernichtet werden. Dies geschieht meist, wenn Steinbrüche nach der Stilllegung wieder verfüllt werden und die Felswände im Erdreich verschwinden. Ein Schicksal, das auch den Ortenberger Uhus droht. Der örtliche NABU werde sich stark dafür einsetzen, dass es soweit nicht kommt, kündigte Dr. Sven Weidemeyer an.

(Der Uhu auf dem Bild ist eine Leihgabe des Museums für Naturkunde in Berlin, die Inventarnummer ist die 2011.196.)

 

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